Holzbau gewinnt an Attraktivität

Bauen mit Holz gerät immer stärker in den Fokus von Architekten, lassen sich mit diesem Werkstoff doch Design und Nachhaltigkeit ideal miteinander verbinden. Für den Augsburger Architekten Frank Lattke und sein Team ist es eine Herzensangelegenheit.
Text: Guido Klinker Foto: Felix Baptist


FRANK LATTKE, Architekt


Herr Lattke, Sie haben sich und Ihr Büro sehr offensiv der nachhaltigen Bauweise, insbesondere mit Holz, verschrieben. Was macht Holz für Sie zu einem so spannenden Werkstoff in Gebäuden – technisch wie gestalterisch?
Architektur, die mit Holz entsteht, ist ein sinnliches Erlebnis. Die vielfältigen Oberflächen, die Farben, der Geruch und das Licht sprechen die Sinne enorm an. Holz hat ein unglaubliches Potenzial, Wohlfühlstoff im besten Sinne zu sein.

Der moderne, vorgefertigte, mehrgeschossige Holzbau ist in der Gegenwart angekommen. Mich fasziniert die enorme Bandbreite der technischen, konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten, die uns dieser Naturbaustoff bietet. Und das ist der wichtigste Punkt. Holz ist der einzige von uns zur Konstruktion verwendete Baustoff, der nachwächst und uns somit unendlich zur Verfügung steht. Im Kontext einer rapide steigenden Rohstoffnachfrage und einer immer stärkeren Belastung unserer Umwelt durch Ausbeutung und Müllaufkommen muss eine ökologische Grundhaltung einen viel stärkeren Stellenwert bekommen. Bauen mit Holz ist da einer der sinnvollen Wege, wenn das ureigene Nachhaltigkeitsprinzip eingehalten wird.

Der moderne Holzbau erfüllt heute das, was Konrad Wachsmann schon 1959 gefordert hat. Die Produktion im Sinne einer kompletten Fertigfabrikation aller Teile erfüllt den Anspruch an Präzision, Qualität und größter Leistung zu ökonomischen Bedingungen. Bauen mit Holz beginnt in der Werkstatt und da ist der Architekt und Ingenieur gefordert, die dort geltenden Prinzipien zu verstehen.

Wie stark wird Holz im Gebäudebau heute eingesetzt und wie schätzen Sie dies perspektivisch ein?
Der Holzbau bahnt sich im Moment den Weg in die Stadt. Es wird hoch gebaut, aufgestockt und nachverdichtet – mit Luft nach oben. Wir erleben die Steigerung der Holzbauquote, die die Branche in den letzten Jahren propagiert hat. Wohin sich das Ganze hin entwickelt, kann ich nicht einschätzen.

Der Holzbau genießt zurzeit eine hohe Aufmerksamkeit und gewinnt an Attraktivität. Die Branchenakteure sollten sich in dieser heißen Phase nicht zu Experimenten hinreißen lassen, sondern den Respekt vor dem Material und der Bauweise beibehalten. Der konstruktive Holzschutz muss gewahrt werden. Wir dürfen das gewonnene Vertrauen in die Bauweise nicht durch Bauschäden im großen Stil verlieren.

Wo liegen die Herausforderungen, wenn es darum geht, die Bedeutung von Holz in der Architektur weiter zu erhöhen?
Beim Holzbau gibt es natürlich immer ein Bündel an Themen. Brandschutz, Bauphysik usw. – da wurde schon viel Arbeit geleistet. Ich finde im Moment den Bauprozess am spannendsten, also das Denken von der Werkstatt aus. Wir können die vielfältigen technischen Möglichkeiten, die moderne Fertigungsprozesse im Holzbau bieten, noch besser verstehen und intensiver in der Entwurfsarbeit nutzen. Da liegt aus meiner Sicht ein enormes innovatives Potenzial, wenn es gelingt, Gestaltung, Ingenieursdenken und die Handwerkskunst in der Werkstatt zu durchdringen und von Anfang an miteinander zu verbinden.
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