Wir bieten echten Mehrwert

Mit viel Schwung, neuer Struktur und neuer Kollektion startet die Pfleiderer Gruppe in das Jahr 2017. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Wolff über die aktuelle Aufbruchstimmung und die Pläne für die Zukunft.
Interview: Guido Klinker Fotos: www.thomastratnik.de

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Herr Wolff, seit der letzten BAU in München ist bei Pfleiderer eine Menge passiert. Sie präsentieren sich zum Auftakt dieses Jahres mit neuer Organisation und neuer Kollektion sowie einer Menge an „Inspirations close to you“. Welche Innovationen präsentieren Sie Ihren Kunden und Partnern?
Wolff: Die BAU ist eine von drei großen internationalen Messen in diesem Jahr, auf denen wir eine völlig neue Farb- und Designwelt von Pfleiderer präsentieren und erstmalig eine Kollektion, die international für das gesamte Unternehmen gleich ist. Wir bieten unseren Kunden in elf Lebenswelten vielfältige Lösungen an, die sie sicher inspirieren werden.

Die neue Kollektion ist sichtbares Zeichen einer großen Begeisterung für Trends und Zukunft. Gleichzeitig endet mit ihr eine Phase des Konzernumbaus. Welche Meilensteine gab es in den vergangenen Jahren bis zum Aufbruch des neuen Pfleiderer in 2017?
Wolff:
Wir sind einer der führenden Anbieter für Holzwerkstoffe in Deutschland, Polen und Zentraleuropa, hatten aber zwei unterschiedliche Organisationseinheiten. In den letzten zwei Jahren haben wir intensiv an der Verschmelzung dieser Einheiten und damit an einem integrierten Unternehmen gearbeitet. Dazu zählt die Schaffung einer Zentralorganisation, die Zusammenführung von Prozessen, der Aufbau eines integrierten SAP-Systems sowie eine neue rechtliche Struktur.

Die neue Kollektion beweist nach innen wie nach außen, dass nun EIN Pfleiderer am Markt agiert.

In welcher Form profitieren Ihre Kunden und Geschäftspartner von dieser internen Neuaufstellung?
Wolff:
Wir bieten eine wesentlich höhere Leistungskraft in der Pfleiderer Gruppe. Sämtliche Produkte, die wir in unterschiedlichen Werken produzieren, bieten wir in einer Kollektion an. Damit kann unser Kunde jedes Produkt aus jedem Werk mit jeder Spezifikation weltweit bekommen. Somit steht die gesamte Breite unserer Produkte aus einer Hand zur Verfügung.

„Die neue Kollektion beweist nach innen wie nach außen, dass nun EIN Pfleiderer am Markt agiert.“

Michael Wolff
Wie sehen Sie Pfleiderer damit im Markt positioniert?
Wolff: Wir stehen genau da, wo wir hinwollten: Wir sind Premiumanbieter, designorientiert, wir sind der Anbieter für Lösungen im Innenausbau sowie im hochwertigen Bereich der richtige Ansprechpartner für Architekten in der Planungsphase. Dies alles drückt sich in der neuen Kollektion aus, mit der wir echte Mehrwerte bieten, und diese Position werden wir weiter ausbauen.

Ich denke, was wir jetzt zeigen, nämlich eine integrierte Kollektion und das Denken sowie Präsentieren und Leben in Farbwelten, in Räumen und Anwendungsgebieten, ist ein großer Schritt nach vorn gegenüber unserem früheren Marktauftritt.

Produkte sind ein Teil Ihres Angebots. Ebenso wichtig sind die Services und Dienstleistungen. Was haben Sie in diesem Bereich verändert?
Wolff:
Wir geben unseren Kunden ein klares Versprechen: Wir halten die vereinbarten Liefer- und Bestellzeiten ein. Das ist das Wichtigste. Daneben halten wir eine große Zahl an Produkten aus der neuen Kollektion kurzfristig vor, da sie bei uns am Lager sind. Mit unserem Werk in Leutkirch haben wir den Vorteil, dass wir dort auch Losgröße 1 fertigen, also jeden Träger mit jeder Oberfläche, mit jeder Farbe kombinieren und damit ein Höchstmaß an Individualität bieten können.

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Nach einer Phase der Konsolidierung und Neuorganisation haben Sie für Pfleiderer einen klaren Wachstumskurs angekündigt. In welchen Bereichen wollen und werden Sie wachsen?
Wolff:
Wir werden sicher in unserem Stammgeschäft, also innerhalb des Handels, des Innenausbaus, der Bauindustrie und der Möbelindustrie in unseren Kernmärkten Deutschland, Polen und Zentraleuropa weiter wachsen. Weitere Potenziale sehen wir in den angrenzenden Ländern. Investiert haben wir bereits in England und Frankreich. Wir entwickeln uns stark in Italien und wir haben erst kürzlich ein Vertriebsbüro in Rumänien eröffnet. Internationalisierung bezogen auf Europa ist ein zentrales Wachstumsthema.

Denken Sie dabei auch an neue Produktionsstandorte?
Wolff:
Zunächst reden wir über Vertriebsstandorte. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass wir mittelfristig hier auch Produktionskapazitäten hinzubekommen.

Wandel und Veränderungen in Märkten und in der Gesellschaft prägen unsere Zeit mehr denn je. Wie gehen Sie mit äußerem Wandel um und wie drückt sich dies strategisch aus?
Wolff:
Eine ganz wichtige Frage, mit der wir uns in einem Strategieprozess im vergangenen Jahr intensiv beschäftigt haben. Zum einen sehen wir für uns ein sehr positives Umfeld in der Bauindustrie allein dadurch, dass die Märkte aufgrund der Zinssituation derzeit und in absehbarer Zeit mit Kapital geflutet sind und werden. Die Investitionen in feste Werte werden also zunehmen.
Michael Wolff (56) ist CEO der börsennotierten Pfleiderer Group S.A. und in dieser Funktion für die Bereiche Unternehmensstrategie, Unternehmenskommunikation, Personal, Revision und Qualitätsmanagement zuständig. Zusätzlich ist er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Pfleiderer Deutschland GmbH.

Der Diplom-Wirtschaftsingenieur war vor seiner Zeit bei Pfleiderer in mehreren Führungspositionen tätig, unter anderem. bei der Freetime Group Germany GmbH, der Rodenstock GmbH, der Villeroy & Boch AG sowie der Glunz AG.

Michael Wolff ist verheiratet und hat drei Kinder.
Gibt es weitere Trends, die für Sie von Bedeutung sind?
Wolff:
Ein zweiter wesentlicher Trend betrifft unser Material, das Holz. Dieser nachhaltige Werkstoff, der auch schnell nachwächst, bindet CO2 und entlastet aktiv die Umwelt. Dadurch wird das Bauen mit Holz stark beflügelt. Bereits heute werden 16 Prozent der Haus-Neubauten nach Holzständerbauweise erstellt. Dieser Markt wächst jährlich um derzeit 30 Prozent. Der Nachhaltigkeitseffekt wird auch in der Politik verstanden, wodurch die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Holz sich auch künftig verbessern werden.

Vor diesem Hintergrund investieren wir in den kommenden Jahren in die Individualisierung, die Oberflächenmaterialien, tolle Designs für die Märkte, in denen wir sind, und in das Thema Nachhaltigkeit.

Jeder spricht heute von Industrie 4.0. Was bedeutet dies für Ihr Unternehmen?
Wolff:
Die Frage ist zunächst: Was ist Industrie 4.0 eigentlich? Ich habe mich mit diesem Thema sehr intensiv beschäftigt und unter anderem an einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde zu diesem Thema teilgenommen – mit dem Ergebnis, dass jeder seine eigene Interpretation von Industrie 4.0 hat. Zu verstehen ist darunter aus meiner Sicht die Digitalisierung der Welt und die ständige Verfügbarkeit von Daten, die heute in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit zur Verfügung stehen.

Für uns bedeutet diese Entwicklung: Wir können unsere Maschinen in der Produktion optimieren. Zum Beispiel teilen uns Sensoren frühzeitig mit, ob die Temperatur einer Maschine zu hoch ist oder ob wir ein Lager austauschen müssen. Dadurch reduzieren sich Ausfallzeiten.

Industrie 4.0 bedeutet auch Vernetzung.
Wolff:
Richtig. Aus unserer Perspektive bedeutet es: Die Vernetzung von der Industrie zum Kunden wird zunehmen – das ist aber nicht wirklich neu. Interessant finde ich in diesem Kontext eher die Nutzbarkeit neuer Technologien und das wird oft verwechselt. Ein Beispiel: Die Produktion von Bauteilen durch einen 3-D-Drucker erlaubt es uns, Ersatzteile aus Kunststoff zu fertigen.

Dann wird sich der Online-Absatz verändern. Für den Endverbraucher entstehen immer mehr Angebote im Internet, die es ihm ermöglichen, selber komfortabel zu planen – und das individuell und passgenau. In den Werkstätten werden die Produkte dann individuell hergestellt und beim Kunden eingebaut – der Endverbraucher wird in der Planung selbstständiger. Am Ende liefern wir aber weiterhin die Platte. Dies bedeutet: Produkt und Abnehmer verändern sich nicht, wohl aber der Weg dazwischen. Mein Fazit: Die Produktion von Spanplatten wird sich durch Industrie 4.0 nicht maßgeblich verändern.
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