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Dem Trend auf der Spur

Alle vier Jahre bringt Pfleiderer in einem arbeitsintensiven Prozess eine umfangreiche neue Kollektion heraus. Zu ihr gehören unzählige Strukturen, Dekore und individuell gestaltbare Designs . Stolze 360 Dekore sind in der neuen Design Collection 2017–2020 verzeichnet.
Text: Tanja Dolic Fotos: www.thomastratnik.de

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In Frankfurt und Warschau konnten sich rund 300 der wichtigsten Handelskunden von Pfleiderer Ende vergangenen Jahres als Erste einen Eindruck von der weltweit gültigen „One Collection“ machen. Die Resonanz war durchweg positiv. Ein Gast, der einen führenden Großhändler aus Tschechien vertrat, meinte etwa: „Ich bin beeindruckt, wie ausdrucksvoll, lebendig und komplex diese Kollektion ist.“ Lob und Bestätigung für Christiane Gebert und das Pfleiderer-Team, dass sie mit der neuen Kollektion ins Schwarze getroffen haben.
Mit einer umfangreich durchgeführten Markt-, Wettbewerbs-, Kunden- und Trendanalyse bietet Pfleiderer so jedem Kunden das speziell auf seine Bedürfnisse und Vorstellungen abgestimmte Designkonzept. Industriedesignerin Christiane Gebert ist für die Entwicklung dieser neuen Kollektion bei Pfleiderer verantwortlich. Unter dem Motto „Inspirations close to you“, trifft sie punktgenau die Bedürfnisse der Kunden – egal ob aus Industrie, Handwerk und Handel oder Architektur. Doch wie funktioniert eigentlich die Umsetzung eines neuen Trends und wie entsteht er überhaupt?

„Die Grundlage für jede neue Kollektionsentwicklung sind die sogenannten Megatrends“, beschreibt Gebert den ersten Schritt bei ihrer Suche nach neuen Ideen. Die Megatrends entstehen aus gesellschaftlichen Veränderungen, die sich im Leben jedes Einzelnen niederschlagen. Das ist keine exakte Wissenschaft, sondern erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Gebert identifiziert die Trends anhand von Beobachtungen und durch die Auswertung von Messen und Ausstellungen, von Veröffentlichungen im Messe- und Ladenbau, von Architekten sowie der Möbelindustrie (Bad, Küche, Wohnen, Büro). Durch den Abgleich der Ergebnisse großer Trendforschungs-unternehmen vergewissert sich Gebert, ob diese mit ihren eigenen Ergebnissen konform sind. Diese Analyse ist ein sehr zeitintensiver und langwieriger Prozess, denn zwischen dem ersten Schritt und der Veröffentlichung einer ganzen Kollektionslinie können mitunter bis zu fünf Jahre liegen. „Ein Trend entsteht nicht von heute auf morgen. Er entwickelt sich langsam und kontinuierlich, so ist auch die Arbeit an einer neuen Kollektion ein sich stetig entwickelnder und wachsender Prozess“, erklärt sie. Christiane Gebert erforscht also heute schon, was morgen gefragt ist.

Der Blick fürs Detail
Ist ein Trend identifiziert, geht es mit der Analyse zum nächsten Arbeitsschritt. „Ein Megatrend kann beispielsweise ‚Tradition‘ sein“, beschreibt Gebert dieses spezielle Designkonzept. Mit der Analyse des Oberbegriffs entwickelt sie schließlich die daraus resultierenden Bedürfnisse und Einflüsse kleinschrittig auf die Bereiche Leben, Wohnen, Materialien und Oberflächen.
Im Bereich Wohnen kann zum Beispiel ein sogenannter „Retrotrend“ festgestellt werden. Er zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass die Menschen Authentizität, Behaglichkeit und Sinnlichkeit von ihrer Wohnsituation erwarten, jedoch mit einem klaren Bekenntnis zur Moderne. Die moderne Technik mit all ihren Annehmlichkeiten muss zwar vorhanden sein, aber dezent im Hintergrund bleiben. Davon ausgehend muss sich dann die Frage gestellt werden, wie der „Retrotrend“ sich in Hölzern und Dekoren einer neuen Kollektionslinie wiederfinden lässt.

„Ein Trend entsteht nicht von heute auf morgen.“

Christiane Gebert, Industriedesignerin
Tradition erleben
Traditionelle Hölzer sind beispielsweise die Kirsche und die Eiche. „Besonders die Eiche hat in den letzten Jahren einen regelrechten ‚Boom‘ erlebt, was im Endeffekt auf den Megatrend der Traditionalität zurückzuführen ist“, erklärt Gebert.

Mit der Identifikation des richtigen Holzes im Bezug auf den jeweiligen Trend ist also eine weitere wichtige Grundlage für die Kollektionsentwicklung geschaffen. Denn gerade mit der Tradition sind auch Handwerklichkeit und Gebrauchsspuren verbunden. So sind die „Vintage-Stile“ bei Kunden sehr gefragt. „Hier spielt dann natürlich auch die Haptik eine große Rolle. Das Dekor lebt von der Struktur. Deswegen ist auch die Forschung in diese Richtung ein enorm wichtiger Schritt“, erläutert Gebert. So findet man in der neuen Designkollektion in dieser Sparte viele authentische Hölzer mit Maserungen, kleinen Fehlern, Sägespuren und rauer Haptik – Tradition zum Anfassen und Erleben.

Und auch die Farbwahl spielt bei der Interpretation eines Megatrends eine maßgebliche Rolle. Mit Unifarben auf Basis des Natural Colour Systems (NCS) wird das Design komplettiert. Im traditionellen Umfeld sind es warme chromatische Farben wie Olivgrün und Gewürztöne in Kontrast zu kaltem Weiß. „Gerade die Farbwahl ist enorm wichtig. Denn das ist etwas, dass beim Endkunden am wenigsten hinterfragt wird“, weiß Gebert.
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Die passende Umsetzung für jeden Trend
Trends sind nicht gleichgeschaltet und müssen im Einzelnen analysiert und verfolgt werden. Die Sparte Individualisierung beispielsweise führt die Industriedesignerin in eine andere Richtung. Hier liegt der Fokus auf der Individualität. Dabei spielen der Mut zum Stilmix und zu kontrastreichen starken Farben, die Verfremdung von Oberflächen und Materialien sowie ausdrucksstarke Hölzer eine zentrale Rolle.

Farbwelten für den richtigen Überblick
Die einfache Unterteilung der Hölzer in nur sechs Farbwelten, von denen aus sich der Rest des Designs gestalten lässt, verschafft jedem Interessenten eine gute erste Übersicht und einen einfachen Einstieg in die Designwahl. „Mit einprägsamen Titeln wie ‚Beyond the sea‘, ‚Summertime‘, ‚As time goes by‘, ‚Tea for two‘, ‚Pianoman‘ und ‚Black Coffee‘ lassen sich die Designwünsche gut vorsortieren“, erklärt Gebert die Unterteilung. In „Beyond the sea“ findet man beispielsweise helle und skandinavisch geprägte Hölzer wie Birke, Ahorn oder Buche. Diese Farbwelt zeichnet sich durch eine klare und anmutige Formensprache und die Kombination mit Pastelltönen aus. Die Hölzer harmonieren gut mit einer Kombination aus Aluminium oder schwarzem, flächigem Stein. Einen guten Kontrast erzielt man mit Anthrazit und kühlen Grautönen.

„Summertime“ hingegen bietet Hölzer mit einer sommerlichen Ausstrahlung und Natürlichkeit wie Buche oder Esche. Dabei dominieren ausdrucksstarke Maserungen und ehrliche Details. Kombiniert man die Hölzer in hellen Natur- und Honigtönen noch mit Beton oder Stahl und kräftigen Farben und warmen Grautönen, sorgt dies für eine warme und wohnliche Atmosphäre.
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Christiane Gebert
Industriedesignerin

Christiane Gebert wurde 1964 in Hamburg geboren und studierte Industriedesign in Kiel. Im Anschluss war sie zunächst selbstständig als Möbeldesignerin tätig. 1997 bis 2000 arbeitete sie als Designerin für Pfleiderer in Neumarkt. Es folgten Aufgaben als Entwicklungsleiterin in der Küchenmöbelindustrie, zum Beispiel bei wellmann und der Alno AG. Ab 2006 agierte sie wieder selbstständig als Beraterin/Entwicklerin in der Industrie (Möbel, Yachtbau, Holzwerkstoffe ) und ist seit 2014 in diesem Kontext für Pfleiderer tätig. Seit dem 1. Januar 2017 ist Christiane Gebert wieder fest an Bord bei der Pfleiderer Group S.A. als Verantwortliche für Entwicklung und Design.
Der Megatrend der „Tradition“ schlägt sich so beispielsweise in der Farbwelt „As time goes by“ nieder. Graue und gealterte Hölzer mit kräftigen Maserungen, Gebrauchsspuren, Verwitterung und Handwerklichkeit prägen dieses Designkonzept. „Ergraute Hölzer wie Eiche und Rüster verbunden mit hochglänzenden oder patinierten Metallen, Beton oder rostigem Stahl sowie neutralen warmen Farben ergeben eine spannende Kombination“, erklärt Gebert.
So setzt sich die Einteilung auch in den verbliebenen Farbwelten fort. Ergänzt werden die sechs Farbwelten durch drei weitere für Stein und Fantasiedekore. „Catch of the day“, „Pink Houses“ und „River deep, mountain high“ zeichnen sich durch ein Design jenseits von hölzernen Materialien aus. Grafik und textile Muster sowie verfremdete Materialien, aber auch Putz, Mineralstoff, Beton oder aber Steine sind eine ideale Ergänzung zu den sechs Farbwelten und sorgen für Lebendigkeit.

Schließlich werden noch Unidekore in die zwei Farbwelten „Over the rainbow“ und „Stormy weather“ unterteilt. In der chromatischen Farbrange wird das gesamte Spektrum der Farben abgedeckt und durch die neutrale Farbrange mit kühlen, warmen und neutralen Grau- und Weißtönen ergänzt.

„Make it simple“
Insgesamt werden die zahlreichen Dekore durch die einfache Unterteilung der sechs Haupt- und fünf ergänzenden Farbwelten klar und verständlich aufgeschlüsselt.
Auf Basis der Bewertungen im „zeit.geist“ – das ist der Entwicklungskreis mit Pfleiderer-Mitarbeitern aus den Bereichen Vertrieb, Einkauf und Produktmanagement – entwickelt Pfleiderer kontinuierlich die bestehende Kollektion weiter, schließt Lücken in der bestehenden Dekorsammlung, sorgt für Ersatz auslaufender Dekore und ergänzt das Spektrum durch neue Designs. Gemeinsam gewährleisten die Mitglieder der „zeit.geist“-Gruppe den für die Entwicklungen notwendigen Überblick über Märkte und Wettbewerb.

In der neuen Design Collection 2017–2020 gibt es, wie man es von Pfleiderer gewohnt ist, eine ganze Reihe neuer Dekore, Farbwelten und gestalterisch umgesetzter Trends für Industrie, Architekturen und Handel. Und für den richtigen Überblick sorgt Pfleiderer ganz einfach mit dem Credo „Make it simple“ – typisch Pfleiderer.
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