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Die Renaissance von HPL in der Küche

Text: Guido Klinker Fotos: Häcker Küchen, Lois Lammerhuber, Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

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Sie gilt als Mutter aller Einbauküchen: die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lihotzky.
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Initiatoren: Stefan Möller, Geschäftsleitung Einkauf Häcker Küchen (l.), Rainer Zumholte, Geschäftsführer Vertrieb, Pfleiderer Deutschland GmbH (Mitte), Jochen Finkemeier, Geschäftsführender Gesellschafter Häcker Küchen (r.)
„Der Individualität in der Küchenplanung sind heute kaum noch Grenzen gesetzt. Allein in unserem Sortiment gibt es über 27 Millionen Kombinationsmöglichkeiten. Was wir heute verkaufen, sind Küchenkonzepte. Beinahe jede unserer 180.000 jährlich verkauften Küchen ist ein Unikat“, berichtet Michael Dittberner, Leiter Produktentwicklung und Produktmanagement bei Häcker Küchen im ostwestfälischen Rödinghausen. Gemeinsam mit Pfleiderer entwickelte der renommierte Hersteller nun ein ganz neues Konzept auf Basis von HPL (High Pressure Laminate), das besonders durch das stringente Design und ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Die ersten Wochen seit dem Start zeigen eindrucksvoll: Die HPL-Küche kommt bei Architekten und Familien sehr gut an.

HPL ist im Küchenbau eigentlich nicht neu. Seit Jahrzehnten setzt auch Häcker Küchen das Material immer wieder ein. „Der Werkstoff hat aber mit zunehmender Individualisierung und einer größeren Vielfalt an Materialien an Bedeutung verloren. Dabei hat HPL viele herausragende Eigenschaften, die gerade in der Küche besonders gut zur Geltung kommen“, erklärt Rainer Zumholte, Geschäftsführer Vertrieb der Pfleiderer Deutschland GmbH. Und so war es naheliegend, dass er gemeinsam mit den Experten von Häcker Küchen überlegte, inwieweit man HPL wieder prominenter im Küchenbau einsetzen könnte. Entstanden ist ein flexibles Design- und Materialkonzept, das die individuell geplante Küche wie aus einem Guss erscheinen lässt. Moderne Farben – Perlgrau, Satin und Polarweiß – entsprechen dem Zeitgeist.

Fronten, Wangen, Regale und Arbeitsplatten aus HPL wurden mit einem spezifischen Designmerkmal kombiniert: einer umlaufenden 45°-Fase im Kantenbereich. „HPL überzeugt durch hohe Schlag- und Stoßfestigkeit, Hitze- und Farbbeständigkeit, ist gut zu reinigen, farb- und strukturstabil. Die matte Oberfläche bleibt matt, das typische Aufpolieren wie bei anderen matten Oberflächen ist hier deutlich reduziert. Alles Dinge, die bei der Arbeit in der Küche im Alltag große Bedeutung haben“, so Zumholte. „Bei vielen Materialien muss man Abstriche bei den technischen Eigenschaften zugunsten des Designs machen. Nun ist es Häcker und uns gelungen, die klaren technischen Vorteile von HPL mit modernen Designanforderungen in Einklang zu bringen.“ Damit eignet sich eine Küche dieser Art auch ideal für junge Familien – „eine perfekte Bobbycar-Küche auf Basis eines schlüssigen Konzepts, das Formen, Farben und Materialien in Einklang bringt“, so Michael Dittberner.





Aus Sicht von Pfleiderer hat dieses Konzept das Zeug zum Trendsetter, ähnlich wie die Frankfurter Küche vor rund 100 Jahren – sozusagen die Urmutter der Einbauküche. In Frankfurt war es damals kaum möglich, eine Wohnung zu finden. Die Stadt startete deshalb ein Wohnungsbauprogramm und beauftragte Architekten, nach zukunftsweisenden Lösungen zu suchen. Daran beteiligt war auch die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Sie entwarf eine Küche, die auf engem Raum rational und funktional so optimiert war, dass man dort auf kurzem Wege und mit wenigen Handgriffen alle in einer Küche notwendigen Dinge parat hatte: Herd, Abstellplatte, Kochkiste, klappbares Bügelbrett, Speiseschrank, Drehstuhl, Tisch, Abfalleimer, Abtropfbrett, Spülbecken, Vorratsschubladen, diverse Schränke. Bis 1930 wurde die Frankfurter Küche in rund 10.000 Wohnungen eingebaut und setzte über Jahrzehnte Maßstäbe. Übrigens musste diese Küche unbedingt blau sein, da man diesem Farbton eine Mücken abweisende Wirkung nachsagte. Zu sehen sind Nachbauten heute unter anderem im Museum für angewandte Kunst in Wien.

Die cleveren Funktionslösungen haben sich bis heute in der modernen Küche gehalten. Design, Variantenreichtum, Material- und Kombinationsvielfalt sind hinzugekommen. In kleinen Wohnungen hat die klassische Einbauküche noch Platz. Wer mehr Raum zur Verfügung hat, integriert die Küche oft in den Wohnbereich und nutzt sie als Lebens- und Kommunikationsraum. Dies ist nicht zuletzt auch abhängig von unterschiedlichen Lebensgewohnheiten in jedem Land.

Die HPL-Küche von Häcker verbindet somit Tradition, Moderne und Zukunft. In nur einem Dreivierteljahr ist aus einer ersten Idee, einem ersten Gedankenaustausch zwischen Hersteller und Lieferant ein neues Produkt entstanden. „Wir kennen unseren Markt sehr genau und sind in ständigem Austausch mit unseren Kunden, den Händlern. Es zeigte sich recht schnell, dass wir mit dieser Küche auf großes Interesse stoßen können“, erörtert Michael Dittberner. „Spätestens nach der Schulung unseres Außen- und Innendienstes – wir reden hier von rund 400 Personen – waren wir vollends überzeugt.“ Produktqualität, Preis, logistische Flexibilität und langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen war eine ideale Basis. Rainer Zumholte: „Diese Küche ist ein toller Beleg dafür, wie gut HPL nach wie vor im Küchenbau eingesetzt werden kann. Es hat großen Spaß gemacht, dieses Projekt mit Häcker Küchen zu entwickeln und umzusetzen.“