ONE Pfleiderer, ONE Safety

„Mitarbeiter sind das wertvollste Gut im Unternehmen.“ Dieser Satz wird bei Pfleiderer wörtlich genommen. Darum startet das Unternehmen eine Initiative, die konzernweit an allen Standorten etabliert werden soll. ONE Safety heißt das Arbeitssicherheitskonzept, das derzeit umgesetzt wird und nur ein Ziel hat: die Zahl der Arbeitsunfälle auf null zu führen.
Text: Jule Milbrett Fotos: Pfleiderer Group S.A., Bernhard Schmitdner

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5 Minuten für Sicherheit. Während der täglichen Meetings nehmen sich die Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern je fünf Minuten Zeit, um über ein aktuelles Sicherheitsthema zu sprechen.
Mit der neuen Strategie will das Unternehmen weg von einer Methodik, die nur auf Regeln, Überwachung und Maßregelungen abzielt. Stattdessen will Pfleiderer eine veränderte Unternehmenskultur schaffen und das Bewusstsein der Mitarbeiter für das Thema „Arbeitssicherheit“ sensibilisieren, denn neben Regeln, Prozessen und Schutzmaßnahmen sind es vor allem die Menschen, die die Sicherheitsaspekte verinnerlichen müssen. Bernhard Schmidtner, Leiter des Bereichs Health und Safety der Pfleiderer Gruppe, ist Initiator des neuen Konzepts ONE Safety, das ganz im Sinne von ONE Pfleiderer für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen gleichermaßen gilt: „Wir wollen eine Veränderung in der Sicherheitskultur an allen Standorten von Pfleiderer erreichen. Dabei stellen wir die Denkweise und den Umgang rund um das Thema Arbeitssicherheit komplett auf den Kopf, weg von einem reagierenden, hin zu einem aktiven Umgang mit allen Aspekten der Arbeitssicherheit.“ Das kann nicht auf Knopfdruck geschehen. Vielmehr setzt Bernhard Schmidtner mit seinem Team einen Prozess in Gang, der im Alltag der Kolleginnen und Kollegen jeden Tag ein Stück mehr ankommt. Darum ist das Projekt insgesamt auch auf drei bis fünf Jahre angesetzt.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Bereich Arbeitssicherheit im Unternehmen gut entwickelt. Die Zahl der Unfälle ist zurückgegangen, viele Standards wurden verbessert und Risiken minimiert. Dennoch kommt es immer noch zu Unfällen – ein Zustand, den man bei Pfleiderer nicht akzeptiert.




Warum verhält sich ein Mensch überhaupt sicherheitswidrig? Diese Frage ist auch Teil eines umfangreichen Workshop-Programms, das Pfleiderer im Rahmen des neuen Arbeitssicherheitskonzeptes durchführt. Aus psychologischer Sicht liegt das Problem wohl auch in der Evolution des Menschen. Solange Gesundheit vorhanden ist, gibt es keinen Grund, darüber nachzudenken. Deshalb kommen Argumente, die beteuern, dass das Unternehmen sich für die Sicherheit eines Mitarbeiters einsetzt, um ihm zu helfen, nicht im Bewusstsein an.

In den aufwendigen Workshops werden daher die verschiedenen Führungsebenen im Unternehmen psychologisch und pädagogisch geschult, um die Themen Führung, Organisation, Kommunikation, Standards und Qualifikation rund um das Thema Arbeitssicherheit zu reorganisieren. Nicht zuletzt werden dabei auch weiche Faktoren erarbeitet, die das Bewusstsein der Mitarbeiter schärfen.
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Stefan Bartel, externer Trainer für Arbeitspädagogik und Arbeitspsychologie, beim Workshop am Standort Grajewo in Polen
Die Workshops wurden nach dem sogenannten „Top-down-Ansatz“ durchgeführt. Das bedeutet, dass man mit der Umsetzung von strukturellen Veränderungen im Top-Management eines Unternehmens beginnt und sie so nach und nach auf die anderen Ebenen überträgt. „Das ist besonders wichtig, denn Studien belegen, dass das Führungsverhalten und damit die Unternehmenskultur einen direkten Einfluss auf das Unfallgeschehen haben. Der erste Sicherheitsworkshop wurde daher mit den fünf Vorständen von Pfleiderer durchgeführt. Die daraus resultierenden Ergebnisse wurden dann für die nächste Ebene verwendet. Die Mitarbeiter auf operativer Ebene bekommen zum Schluss Trainingseinheiten in Arbeitspsychologie und Arbeitspädagogik von externen Profis, die die Ergebnisse aus den Workshops mit einbeziehen“, erklärt Bernhard Schmidtner. Schon jetzt zeigen sich hier erste Erfolge, wie bei Andrzej Wojcieszak, Werkleiter Wieruszów: „Während des Workshops haben wir gelernt, wie wichtig das Thema Sicherheit für unsere Unternehmenskultur ist und dass wir unsere Einstellungen und Werte dementsprechend ausrichten müssen. Nun weiß ich, dass wir mitverantwortlich sind und uns aktiv dafür einsetzen müssen, unsere Arbeitsplätze sicher zu gestalten, denn wir alle profitieren davon.“ Auch Dr. Björn König, Werkleiter Baruth, ist begeistert: „Da es viele Unsicherheiten und Missverständnisse gab, ist das Workshop-Programm ein sehr wertvoller Beitrag mit einer spürbaren Nachwirkung. Ich denke, wir können zweifelsohne sagen, dass Arbeitssicherheit heute schon einen neuen Stellenwert im Unternehmen erlangt hat, obwohl wir erst am Anfang stehen.“

UNSERE SICHERHEITSGRUNDSÄTZE


›WIR
wollen NULL Unfälle.
›WIR sind immer ein gutes Vorbild.
›WIR schauen bei Arbeitssicherheit genau hin.
›WIR arbeiten immer sicher.
›WIR behandeln Fremdfirmenmitarbeiter wie eigene Mitarbeiter.

Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie nach diesen Grundsätzen handeln und die Einhaltung dieser Grundsätze auch bei allen Kolleginnen und Kollegen einfordern.
Um die Mitarbeiter zu erreichen, muss man kontinuierlich und auf Augenhöhe kommunizieren. Dabei werden Argumente, Hinweise und Vorschläge der Mitarbeiter ernst genommen und berücksichtigt. An allen Standorten und in allen Bereichen werden derzeit die „Fünf Minuten für Sicherheit“ eingeführt. Während der täglichen Meetings nehmen sich die Vorgesetzten mit ihren Mitarbeitern je fünf Minuten Zeit, um über ein aktuelles Sicherheitsthema zu sprechen. So soll kontinuierliche Kommunikation gewährleistet und die Sensibilität für Arbeitssicherheit geschärft werden – mit dem Ziel, dieses Thema in Fleisch und Blut übergehen zu lassen.

Eine weitere Maßnahme, die bereits etabliert wird, ist das neue Programm zu den sogenannten „Beinahe-Unfälle“ – hier geht es um Prävention. Potenzielle Gefahrenquellen sollen erkannt werden. Wenn zum Beispiel ein Schraubenzieher bei Arbeiten an einem Gerüst von oben ganz knapp am Kopf eines Mitarbeiters vorbeifällt, soll dieser Vorfall gemeldet werden, auch wenn niemand verletzt wurde. „Das ganze Konzept funktioniert nur innerhalb einer Vertrauenskultur“, erklärt Bernhard Schmidtner. „Es darf nicht um Schuld gehen und es darf niemand bestraft werden. Der Vorgesetzte muss stattdessen dankbar reagieren und dann präventive Maßnahmen in die Wege leiten – hier kommt das erlernte Fingerspitzengefühl aus den psychologischen und pädagogischen Schulungen zum Einsatz.“

Mit ONE Safety haben Pfleiderer Polen und Pfleiderer Deutschland im Sinne von ONE Pfleiderer das erste Mal ein gemeinsames und einheitliches Arbeitssicherheitskonzept. Ansprechpartnerin zum Thema Arbeitssicherheit an den polnischen Standorten ist Karolina Maciuszonek. Bernhard Schmidtner freut sich über die starke Unterstützung. „Karolina Maciuszonek hilft mir, kulturelle, rechtliche und sprachliche Herausforderungen zu überwinden. Die Zusammenarbeit funktioniert einwandfrei. Wir können Erfahrungswerte austauschen und vor Ort einbringen. Ich denke, dass wir gemeinsam noch viel mit dem neuen Konzept erreichen werden und Null-Unfälle ein absolut realisierbares Ziel ist.“
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