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Ein Plädoyer für Recyclingholz

Pfleiderer nutzt für die Herstellung von Holzwerkstoffen und als thermisches Material zur Erzeugung von Strom und Prozesswärme in erheblichem Umfang Alt- bzw. Recyclingholz. der Einkaufsprozess für das Material wurde gemeinsam mit dem TÜV Hessen nach einem verfahren zertifiziert, das eigens für diesen Zweck entwickelt wurde. Das verbessert die Qualität des angelieferten Materials und stärkt die Zusammenarbeit mit Lieferanten.
Text: Guido Klinker Fotos: shutterstock, Pfleiderer

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1/3 des bei Pfleiderer eingesetzten Holzes ist Recyclingholz. Der Anteil an diesem aufbereiteten Altholz soll kontinuierlich steigen.
Als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert
Rund ein Drittel des bei Pfleiderer eingesetzten Holzes ist Recyclingholz. „Der Anteil an diesem aufbereiteten Altholz soll kontinuierlich steigen“, so Carsten Möser-Benz, Leiter Gebrauchtholzeinkauf bei Heller Holz, einem Unternehmen der Pfleiderer Deutschland GmbH. Der Einsatz von Recyclingholz ist für den Holzwerkstoffhersteller von großer Bedeutung, da er sinnvoll für die Kreislaufwirtschaft ist und den hohen Ansprüchen des Unternehmens an Nachhaltigkeit genügt.

Die Mitarbeiter von Heller Holz sind Spezialisten für den Einkauf von Recyclingholz. Denn neben Preis und Lieferbedingungen muss vor allem die Qualität des Recyclingholzes, dem sogenannten Sekundärrohstoff, stimmen. Dafür hat man bei Heller Holz einen genauen Prozess definiert. Carsten Möser-Benz: „Für uns ist wichtig, dass wir das Material qualitativ und quantitativ bewerten, wir dies messen und die Ergebnisse im Detail mit jedem Lieferanten besprechen können.“ Die definierten Qualitätskriterien orientieren sich an der deutschen Altholzverordnung, die als die strengste in Europa gilt. „Leider ist Recyclingholz in der Holzwirtschaft oft noch negativ belegt. Hier haben wir den Status noch nicht erreicht, wie ihn heute etwa Altpapier besitzt“, beklagt Carsten Möser-Benz und ergänzt: „Dabei setzen wir sehr gutes Material ein und stellen die Qualität durch die regelmäßigen Auditierungen unserer Lieferanten sicher. Diesen Prozess wollten wir von einer unabhängigen, externen Stelle zertifizieren lassen und damit einen Beitrag leisten, dass Recyclingholz ein besseres Image bekommt. Wir freuen uns sehr, dass TÜV Hessen eine solche Zertifizierung für einen Einkaufsprozess entwickelt und bei uns durchgeführt hat.“ Und das ist durchaus ungewöhnlich. Denn ausschließlich Einkaufsprozesse werden eher selten auditiert, weiß Michael Ingwers, Auditor für Entsorgungsfachbetriebe bei TÜV Hessen in Darmstadt. „Unser diesbezügliches TÜV PROFiCERT plus Zertifizierungsverfahren basiert auf der internationalen Qualitätsmanagement- Norm ISO 9001 und ist vertiefend auf den Einkaufsprozess angepasst“, so Ingwers.

„Wir haben keine Angst vor einer Überprüfung. Im Gegenteil: Wir wollen Potenziale aufdecken.“

Carsten Möser-Benz
Für Heller Holz ist die externe Auditierung eine Chance, sich weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten auf ein neues Niveau zu bringen.

Ende 2015 fand die Erstzertifizierung in Neumarkt statt, Ende 2016 erfolgte ein erfolgreiches Folge-Audit. „Es gab nur wenige Verbesserungsvorschläge von unserer Seite“, so Michael Ingwers. „Die Einkaufsprozesse bei Heller Holz sind sehr strukturiert und exakt.“ Natürlich war es ein gegenseitiger Lernprozess, berichten Möser-Benz und Ingwers, schließlich sei es für beide Seiten eine neue Erfahrung gewesen. Michael Ingwers: „Wir mussten die Abläufe zunächst kennenlernen und hatten einige Vor-Ort-Termine. Künftig werden wir uns bei der Folge-Auditierung auch die Abläufe an anderen Standorten ansehen, denn es gibt immer spezifische lokale Bedingungen.“

Für Carsten Möser-Benz und sein Team ist die Zertifizierung ein wichtiger Beleg dafür, dass die eigenen Leistungsanforderungen an die Lieferanten genau richtig sind. „Wir konnten unseren Lieferanten früher bei Qualitätsproblemen nur sagen: Was du lieferst, ist schlecht. Heute können wir ganz detailliert nachweisen, was schlecht ist und liefern Ansätze, wie der Lieferant die Qualität des Recyclingholzes verbessern kann“, erzählt Carsten Möser-Benz.




Ein wichtiger Aspekt beim Einkauf von Recyclingholz ist zum Beispiel der Anteil an physischen Störstoffen wie Metall, Glas oder Kunststoff. Diese müssen so gut wie möglich vom Holz getrennt werden. Regelmäßig werden dazu aus dem angelieferten Material Stichproben entnommen, die Störstoffe manuell aussortiert und die Ergebnisse protokolliert. Ein immenser Aufwand, der sich aber lohnt. Carsten Möser-Benz: „Auf Basis unserer exakten Analyse hat der Lieferant die Chance, seine eigenen Prozesse anzupassen und zu verbessern. Wir sprechen auf einer ganz anderen, inhaltlichen Ebene mit unseren Lieferanten und nicht nur über Preise. Wir möchten Top-Material und unterstützen unsere Lieferanten, dies liefern zu können.“ Bei einigen hat dies zu teils erheblichen Investitionen geführt, die sich aber rechnen. Schließlich können auch Metalle weiterverkauft werden. „Wir können dem Lieferanten ziemlich genau sagen, wie hoch der Anteil an Störstoffen ist und auf dieser Basis kann er eventuell notwendige Investitionen rechnen“, so Carsten Möser-Benz. „Ebenso können wir ihm zeigen, wie die Qualität seiner Lieferungen im Vergleich zum Wettbewerb ist. Ein Win-win-Situation für beide Seiten. Diesen Prozess haben wir über alle Pfleiderer-Standorte etabliert.“

Die Bestätigung dafür, wie strukturiert und gut der Einkaufsprozess abläuft, hat Heller Holz nun von unabhängiger, externer Stelle schriftlich. „Mit der Zertifizierung sind wir Vorreiter und fördern die Akzeptanz von Recyclingholz“, ist Carsten Möser-Benz überzeugt.