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Eine neue Ära im Dekordruck

Pfleiderer bietet seinen Kunden zahlreiche Dekore an – vielfach bereits ab Losgröße 1. Dazu gehören nun auch seltene extrovertierte Dekore, bei denen sich die Produktion von kleinen Losgrößen bisher nicht gerechnet hat. Möglich wird diese Vielfalt und Flexibilität auch durch die fortlaufende Entwicklung des Digitaldrucks. Zum Beispiel mit dem Dekordrucker ,Palis 2250‘ der Schattdecor AG ist das digitale Druckverfahren nun industrietauglich. Auf diese Weise kann Pfleiderer die unterschiedlichen Kundenwünsche nun noch schneller und individueller verwirklichen.
Text: Jule Milbrett Fotos: Schattdecor AG, Pfleiderer

Bisher wurden die verschiedenen Dekore ausschließlich im Rahmen des Tiefdruckverfahrens produziert, das sich erst ab einer Abnahmemenge von einer Tonne lohnt. „Dies ist ein sehr zuverlässiges und kostengünstiges Druckverfahren, das besonders bei mittleren und großen Losgrößen Anwendung findet. Die Prozesse sind dabei über Jahrzehnte optimiert und etabliert worden. Wir erreichen mit unseren Tiefdruckanlagen eine genaue Reproduzierbarkeit bei äußerst geringen Reklamationsquoten“, erklärt Marco Verhasselt, Key-Account-Manager bei der Schattdecor AG, die ein großes Angebot im Bereich des Tiefdrucks vorweisen kann und nun auch als einer der Vorreiter im Digitaldruck agiert. Denn mit dem Start der neuen Digitaldruckanlage ,Palis 2250‘ ist Schattdecor als erster Dekordrucker in der Lage, Digitaldrucke in industriellen Losgrößen mit einer Breite von bis zu 2.250 mm zu fertigen. Die Maschine druckt bis zu 20.000 m² in der Stunde bei einer Auflösung von 1.200 dpi. „Der Digitaldruck bietet ganz neue Möglichkeiten. Mit diesem Verfahren können wir uns von den Begrenzungen des Tiefdrucks bezüglich Rapportlängen und maximalen Farbebenen lösen und damit völlig neue, im industriellen Maßstab verwertbare Oberflächen schaffen. Mittlerweile bieten wir über 200 Digitaldruckmotive, sogenannte Digital Visions, an“, so Marco Verhasselt.

Papier und Farbe sind im Digitaldruck verhältnismäßig teuer. Doch da dieses Verfahren dafür vom Rüstungsaufwand viel einfacher ist als der Tiefdruck, kann Pfleiderer seinen Kunden nun auch exotische und außergewöhnliche Dekore, die nicht in der aktuellen Kollektion zu finden sind, in kleinen Abnahmemengen bis hin zu Losgröße 1 anbieten, das heißt flexible und reaktionsschnell Einzelstücke anfertigen. Die Dekore der aktuellen Kollektion werden weiterhin im Tiefdruckverfahren hergestellt – „ganz einfach, weil dieses Verfahren bei großen Mengen günstiger und schneller ist“, erklärt Christiane Gebert, Leiterin Entwicklung und Design bei Pfleiderer.


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20.000 m2 in der Stunde druckt die neue Digitaldruckanlage ,Palis 2250‘.
„In Zukunft wollen wir bei Pfleiderer mit einer Kombination aus Digitaldruck und Tiefdruck arbeiten. Unser Ziel ist es, ohne großen Aufwand zwischen den beiden Verfahren zu wechseln. Auf diese Weise kann man den Zyklus eines Dekors aufteilen“, erzählt Christiane Gebert. Das Digitaldruckverfahren kann zukünftig gegebenenfalls auch beim Anlauf eines neuen Dekors eingesetzt werden, denn man startet meist mit Mengen unter einer Tonne. Im weiteren Verlauf etablieren sich einige neue Dekore und gewinnen an Beliebtheit – an diesem Punkt benötigt man teilweise auch mal einen Zehntonner des Produkts. Hier bietet es sich an, auf das Tiefdruckverfahren umzustellen. „Entwickeln sich nach ein paar Jahren neue Trends, geht die Auflage des alten Dekors zurück und wir könnten wieder auf Digitaldruck umstellen, um weiterhin die Kunden zu bedienen, die noch Interesse an dem Dekor haben“, so Christiane Gebert.

Schattdecor kann bereits viele Dekore gut digital darstellen. Auch viele Vorlagen, die im Labor farblich getestet und zusammengestellt wurden, werden bei Schattdecor bereits digital angedruckt und dann in die Produktion weitergegeben. Bei Pfleiderer ist ein problemloser Wechsel zwischen den Druckverfahren noch nicht generell möglich. Für Christiane Gebert ist der Wechsel daher aktuell nur vor der Bemusterung des Dekors möglich. Denn durch technische Begrenzungen können die Dekore noch nicht 1:1 abgebildet werden. „Insbesondere Effektfarben wie Perlmutt, Gold, Silber oder Deckweiß und auch intensive dunkle Farben beziehungsweise große Uniflächen stellen noch eine Herausforderung dar. Diese Hürde werden wir aber auch noch meistern“, ist Marco Verhasselt überzeugt. Bis es so weit ist, wird das Digitaldruckverfahren bei Pfleiderer vor allem bei einzigartigen Dekoren, mit denen sich das Unternehmen am Markt differenzieren kann, zum Einsatz kommen.

Als Designerin begeistert Christiane Gebert besonders die gestalterische Genauigkeit des Digitaldruckverfahrens: „Aus gestalterischer Sicht ist das äußerst interessant. Während man im Tiefdruckverfahren viele Kompromisse eingehen muss, kann man beim Digitaldruckverfahren viel präziser arbeiten. Jeder Tropfen kann hier einzeln definiert werden und so erreichen wir eine viel größere Tiefenwirkung.“

Obwohl das digitale Druckverfahren seine Stärken in vielerlei Hinsicht ausspielen kann, wird der Tiefdruck in absehbarer Zukunft nicht aus dem Dekordruck wegzudenken sein. „Wir haben mit der ,Palis 2250‘ einen großen Schritt in Richtung der Industrialisierung des Digitaldrucks gemacht, trotzdem wird diese Technologie nach meiner Einschätzung mittelfristig nicht den Tiefdruck ablösen, sondern sinnvoll ergänzen. Als ausgereifte Technologie wird der Tiefdruck auch in Zukunft mit seiner hohen Reproduktionsgenauigkeit seine Bedeutung im Markt behaupten“, erklärt Marco Verhasselt. Aber auch auf das innovative Digitaldruckverfahren möchte Christiane Gebert nicht mehr verzichten: „Der Digitaldruck ist eine erstklassige Ergänzung. Ich hoffe sehr, dass auch ein problemloser Wechsel vom Digitaldruck zum klassischen Tiefdruck nicht mehr lange auf sich warten lässt. In diesem Punkt setze ich auf die Kompetenz unserer Dekordruckpartner.“